Weihnachtsfluten

Die St. Magnus Kirche zu Sande ist eine sogenannte Sturmflutkirche.
Unsere Vorfahren haben sich einen Kirchhügel aufgeschüttet, um bei Fluten dort Zufluchtzu finden.
Die Julianenflut vom Februar 1164 war der erste Einbruch des Jadebusens.

Die Antoniflut vom Januar 1511 brachte dem Jadebusen die größte Ausdehnung.

Im Bereich der heutigen Gemeinde Sande sind folgende Kirchen dem Meer zum Opfer gefallen:
Ahm; Seediek; Bordum; Havemonniken; Oldebrügge.

Die größten Schäden verursachten Sturmfluten in den Monaten November bis Februar.

Einige dieser Sturmfluten waren direkt am Weihnachtsfest die sogenannten Weihnachtsfluten.

Die Weihnachtflut von 1717 verursachte sehr große Schäden in Friesland.

In Neustadtgödens wurden die Katholiken bei ihrer Christmette von den Fluten überrascht und mussten zwei Tage auf dem Kirchdachboden auf Rettung warten.


Die Kirche in Sande blieb von den Fluten verschont. Die Christen von den untergegangenen
Kirchen mussten jetzt in der Sander Kirche aufgenommen werden.

Einige der Gläubigen besuchten die Kirche in Dykhausen, weil die Wege Richtung Dykhausen besser zu begehen waren.
Frl. Maria von Jever war entrüstet, dass ihre Untertanen ins ostfriesische „Ausland“ zur Kirche gingen. Sie ordnete an, dass in der Sander Kirche mehr Plätze geschaffen werden mussten.

So wurde eine Emporkirche bzw. eine Prieche eingebaut.
An der Nordwand war der heutige Orgelboden bis zum Pfeiler an der Apsis erweitert.
Die Fenster der Nordseite waren somit verbaut. Die Kirche wirkte sehr dunkel.

Die Seitenwände der Prieche waren mit Bildern von Aposteln und Kirchenvätern bestückt.
Die Emporkirche wurde 1948/49 bei Renovierungsarbeiten abgebaut. 22 der ursprünglich
24 Bilder sind erhalten und heute in der Kirche zu sehen.

Der Frontbalken der Prieche ist ebenfalls erhalten und ist auch heute noch hinten in der Kirche sichtbar. Die Inschrift des Balkens lautet: „VERBUM DN 1552 MANET x IN x ETNU“ („Das Wort des Herrn bleibet in Ewigkeit“)

Wir sind dankbar, dass unsere Kirche all diese Sturmfluten überstanden hat.

Lothar Mehl


 

 

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