Aktuelle Meldungen aus der Gemeinde Sande

Do, 31.10.2019“Gedanken im Anschluss an die Gemeindeversammlung vom 26.9.2019 – Jörg Zimmermann

Am 26.9.2019 waren die Reaktionen auf die Mitteilung des GKR-Beschlusses auffällig verhalten, so gut wie gar nicht aggressiv, kaum sichtlich emotional. Die Rückfragen bezogen sich schnell auf die Sachebene des Beschlusses, sie waren sehr reflektiert.Am Ausgang hörte ich, der ich alle verabschiedete, mehrfach die Worte: „Danke für den schönen Abend!“ – War das die Dankbarkeit dafür, dass der GKR diese unangenehme Arbeit geleistet hatte? So richtig weiß ich es bis heute nicht.Das Gefühl bei den GKR-Mitgliedern sowie das Echo der Gäste aus dem OKR: Der schwierige und harte GKR-Beschluss zum HSK war jedenfalls gut vermittelt worden.Ich persönlich hatte von Anfang an den Eindruck: Das konnte es noch nicht gewesen sein! Wie waren diese sehr verhaltenen Reaktionen zu erklären?War das Ausdrucks eines Schocks und darauf folgender Sprachlosigkeit?Im Hinblick auf Cäciliengroden: Lag das kaum vernehmbare Echo daran, dass lediglich knapp 20 Leute aus Cäci da waren? (Was wir im Übrigen ziemlich enttäuschend fanden!)Oder hatten alle die Neuigkeiten am Ende etwa doch viel lockerer weggesteckt als erwartet?Nun, wie gesagt: Ich war mir sicher: Da würde noch mehr kommen, und der GKR hatte auch so vermutet; deshalb war der heutige Termin ja auch von vornherein vorgesehen.Seither: - Einerseits: Ich bin immer noch erstaunt, dass es m.W. nur einen einzigen Leserbrief in einer Tageszeitung gab, und nach meinem Interview bei Radio Jade kam sogar keine einzige Reaktion, die mich erreicht hätte. Ich persönlich wurde ohnehin eher selten direkt angesprochen. Da wo dies doch geschah, haben sich allerdings einige sehr intensive und gute Gespräch ergeben.- Andererseits:Mir wurde Vieles zugetragen, was „die Leute“ so sagen. Und das war dann sehr unterschiedlich. Einiges davon tat weh und tut es noch:Wenn mir da zugetragen wird, es gebe Leute, die den HSK-Beschluss mir persönlichankreiden, etwa so: Alle Jahre ging es doch gut; jetzt haben wir seit 3 Jahren einenneuen Pastor – und dann das! Oder: An dem Tag, wenn der Standort Cäci fällt, lassenwir uns umgemeinden. Oder: Unter Kamplade wäre das nicht passiert; Klimmeck hätte das nicht zugelassen!Dazu:1. Der Beschluss ist die notwendige Folge einer Entwicklung, die seit mehreren –zigJahren unsere Gemeindemitgliederzahlen sinken lässt. Dafür wen auch immer persönlich zum Sündenbock zu machen, ist absurd.Ich bin seit 3 Jahren hier, bin gemeinsam mit meiner Frau mit großem Enthusiasmusgestartet. Ich wusste zwar, dass unsere Gemeindemitgliederzahlen sanken. Aber was dann kam, war uns vorher nicht bewusst. Und nun müssen wir allesamt hier eine Suppe auslöffeln, die über die erwähnten mehrere –zig Jahre immer weiter eingebrockt wurde. Manche GKR-Mitglieder, die den Beschluss nun mitverantworten,sind erst seit letztem Jahr überhaupt im Amt!

 

Ich meine: Dem gesamten GKR gebührt Respekt dafür, Stunden und Aberstunden indiese höchst unerfreuliche Arbeit gesteckt zu haben. Schuldzuweisungen und Beschimpfungen sind völlig fehl am Platze!2. Und wenn jemand sich beschweren will: Bitte, gerne – aber dann direkt und Augin Aug! Alles Agieren „hintenrum“ ist schlichtweg eine Unverschämtheit!Es gibt freilich auch andere, wirklich konstruktive und weiterführende Reaktionen, und ich wünschte mir so sehr, es gäbe noch viel mehr davon: Prof. Matthias Friehe: Er ist der Leserbriefschreiber, und schon davor hat er mir eine Mail geschickt. Darin: Große Bestürzung, aber sofort macht er weiter mit der schlichten Frage: „Was kann ich dazu beitragen, dieses entsetzliche Unglück abzuwenden?“Heute:Ich hoffe, unsere Energien heute und künftig werden genau in diese Richtung gehen, dass wir danach fragen, wie wir uns einbringen können, um die letzte Konsequenz des GKR-Beschlusses für den Standort Cäciliengroden vielleicht ja doch noch abzuwenden.Der GKR hat doch selber das Interesse, in diese Richtung weiterzudenken und zu arbeiten. Warum sonst, glauben Sie, haben wir die Zeit bis 2022 offen gehalten, um eine Lösung zu finden,die eine Schließung des Standortes Cäci nicht länger nötig erscheinen lässt? Diese Zeit gilt es zu nutzen, wobei allerdings auch das klar ist: Die Aufgabe ist enorm!Ein Schlussgedanke: Ich sage es ohne Umschweife: Ich finde den Grad aktiver Beteiligung am kirchlichen Leben hier bei uns in Sande und Cäciliengroden oft beschämend schlecht. Und es tröstet mich kaum, dass dies im allgemeinen für unsere gesamte Region gilt. Anderswo ist das besser als hier im „evangelischen Norden“, und es ist auch besser in anderen Konfessionen.Da haben wir hier in Cäci und Sande einige hoch Aktive, ganz Treue, für die der GKR-Beschluss natürlich ganz furchtbar ist. Von Ihnen, die Sie heute gekommen sind, zählen viele zu dieser Gruppe. Aber seien wir ehrlich: Wir haben hier noch viel mehr, ja um ein Vielfaches mehr Kirchenmitglieder, die jedenfalls in den 3 Jahren, die ich jetzt hier bin, unsere Gebäude praktisch nie betreten haben. Wie schade! Und ich lade Sie ein: Wenn Ihre Sorge um den Standort Cäciliengroden wirklich so groß ist, dann kommen Sie zum Gottesdienst, nehmen Sie an unseren Aktivitäten hier teil, fördern Sie die Teilnahme auch Ihrer Kinder und Kindeskinder. Und wenn Sie den Eindruck haben: „Das was ich von der Kirche will, kommt hier nicht vor oder wird schlecht gemacht“, dann treten Sie mir und den anderen Verantwortlichen freundlich, aber bestimmt auf die Füße, damit sich die Dinge ändern, die sich ändern müssen! Übrigens ist es mir durchaus schon passiert, dass mir nach einem Gottesdienst Menschen gesagt haben: Ich war lange nicht mehr in einer Kirche und dachte, ehrlich gesagt, auch immer: Das ist alles öde und Schnee von gestern. Aber heute hat’s mir echt gefallen! – Vielleicht wartet so eine Erfahrung ja auch auf manchen unter uns!Zwar mag jetzt jemand einwenden: Mehr Teilnehmer an Gottesdienst und anderen Aktivitäten bringen ja noch lange nicht das Geld, das wir brauchen! – Ja, das stimmt zunächst einmal. Aber an dieser Stelle möchte ich Ihnen eine Anekdote weitererzählen, die mir ein Mitarbeiter unserer kirchlichen Verwaltung erzählt hat: Er war mit seinem Ausbilder im Gespräch darüber, was zu tunsei, damit man mit den kirchlichen Finanzen möglichst immer auf der sicheren Seite sei. Darauf sagte ihm dieser Ausbilder sinngemäß: „Wenn Sie stabile Finanzen wollen, fragen Sie nicht in erster Linie nach geschicktem Fundraising, nach erfolgreicher Mittelaquise. Konzentrieren Sie sich auf ein gutes Gemeindeleben; schaffen Sie ein Bewusstsein dafür, wie unerlässlich wichtig es ist, dass die Leute daran aktiv teilnehmen. Dann werden Sie auch keine finanziellen Sorgen mehr haben!“ – Ich glaube, an diesem Rat ist eine Menge dran.

 

Ich vertrete jedenfalls seit langem die Meinung: Eine Finanzkrise ist in der Kirche immer nur das, was ich eine „Folgekrise“ nenne! Zugrunde liegt immer eine geistliche Krise! Wir sollten alles tun, um unseren Glauben wiederzugewinnen oder vielleicht sogar allererst so richtig zu entdecken! (Und wer dazu mehr hören möchte, sei herzlich eingeladen: zum Gottesdienst am kommenden Donnerstag, dem Reformationstag, um 10 Uhr in St.-Magnus!)Für heute wünsche ich mir und uns, dass wir die Frage von Matthias Friehe aufnehmen: „Was kann ich beitragen?“ oder: „Was kann ich tun?“ Ich hoffe, dass wir so fragen und dann möglichst viele Antworten oder zumindest Ansätze dafür finden werden!

Vielen Dank, dass Sie mir zugehört haben


Gesammelte Ideen aus der Gemeindeversammlung vom 28.10.2019 in Cäciliengroden

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