Was hat der Gemeindekirchenrat konkret beschlossen, um die Pleite von der Kirchengemeinde abzuwenden?

Der Beschluss des Gemeindekirchenrats vom 17. Juni 2019 im Wortlaut:

 

  1. Der Standort der Kirchengemeinde Sande in Cäciliengroden wird bis spätestens 2027 aufgegeben (Kirche, Gemeindezentrum und Pfarrhaus), wenn sich bis Ende 2022 keine zusätzlichen Einnahmen erzielen lassen, die das Defizit der Kirchengemeinde auf Dauer abwenden.

  2. Das Gemeindehaus in Sande wird auf die zukünftigen Bedürfnisse (verminderte Gemeindegliederzahl) angepasst. Es werden Flächen aufgegeben und einer neuen Nutzung zugeführt:
    a) Das Büro wird in einen anderen Raum verlegt mit dem Ziel, die ehemalige Hausmeisterwohnung zu vermieten.
    b) Das erste Obergeschoss (Neue Jugendräume) wird aufgegeben und einer anderen Nutzung zugeführt (Vermietung).
    c) Der hintere Saalteil wird aufgegeben und einer anderen Nutzung zugeführt (der KITA zugeschlagen.)

  3. Alle diese Maßnahmen sollen möglichst ohne Entlassungen im Personalbereich durchgeführt werden.

  4. Der Strukturausschuss wird beauftragt, für die Umsetzung die nötigen Schritte zu planen und den Gemeindekirchenrat zeitnah zu informieren.

 

Neun Kirchenratsmitglieder stimmten diesem Beschluss zu, zwei stimmten dagegen, eines enthielt sich der Stimme.

 

Welcher Entscheidungsprozess ging diesem Beschluss voraus?

Der Kirchenrat hat sich mit der Entscheidung schwer getan. Weil die absehbare finanzielle Situation in Sande schlimmer sein wird als in anderen Kirchengemeinden, wenn sich nichts ändert, wurde die Kirchengemeinde von der Landeskirche Oldenburg dringend gebeten, sich als Pilotgemeinde und Beispiel für andere Kirchengemeinden bereitzufinden und ein Haushaltssicherungskonzept zu erarbeiten. Dem stimmte der Gemeindekirchenrat vor zwei Jahren zu. Er bildete aus seinen Reihen einen „Strukturausschuss“ und beauftragte diesen, die Lage zu analysieren und Lösungswege aufzuzeigen. Dieser Strukturausschuss tagte vertraulich. Er wurde zunächst von einem Finanzfachmann der badischen Landeskirche, später der hannoverschen Landeskirche beraten.

 

Die Strukturausschussmitglieder ermittelten, welche Kosten wofür entstehen. Dabei wurde schnell klar, dass der Gebäudebestand ein hoher Kostenfaktor – für Personal, Heizen, Reparaturen ist. Das Stundenkontingent für die Arbeit im Kirchenbüro wurde in den Vorjahren bereits reduziert, was durch eine Verschlankung der Arbeitsabläufe in der Kirchenverwaltung insgesamt ermöglicht wurde.

Festgestellt wurde, dass die Räume in den Gemeindehäusern bei weitem nicht ständig genutzt werden. Theoretisch könnte die gesamte heutige Gemeindearbeit in einem verkleinerten Gemeindehaus in Sande geleistet werden.

Der Strukturausschuss berechnete acht alternative Handlungsoptionen, wobei man lange Zeit davon ausging, dass der Standort in Cäciliengroden in verkleinerter Form erhalten werden kann. Doch von dieser Hoffnung mussten wir uns nach einer gründlichen Analyse durch die Bauabteilung des Oberkirchenrats (der Verwaltung der Landeskirche) und einem Gutachten durch einen Architekten verabschieden. Christuskirche und Gemeindehaus sind arg verschränkt ineinander gebaut, die Versorgungsleitungen für Elektrizität, Heizung und Abwasser müssten neu verlegt werden, die Abtrennung eines Gebäudeteils wäre mit erheblichen Umbaukosten verbunden. Die laufenden Kosten würden später außerdem zu hoch sein.

 

Drei Alternativen standen letztlich zur Entscheidung an. In die Bewertungsmatrix flossen neben dem Einsparpotenzial weitere Kriterien ein, wie die emotionale Bindung an ein als Heimstatt empfundenes Gebäude, sein praktischer Nutzen, seine Erreichbarkeit, die Parkmöglichkeiten, die Nähe zur Kirche und seine sichtbare Präsenz im Ort. Diese Kriterien wurden in ihrer Bedeutung gewichtet: Faktor 1 gleich geringe Bedeutung, Faktor 5 gleich hohe. Außerdem floss der Erfüllungsgrad als Multiplikator in die Bewertung ein, das heißt: Wie weit werden die Kriterien durch die jeweiligen Alternativen erfüllt? Wobei 1 für die vollständige Erfüllung, 0,5 für eine teilweise und 0 für keine Erfüllung steht.

Zum Vergrößern, bitte anklicken.

 

Das Ergebnis dieser Rechenaufgabe: Die Kirchengemeinde sollte nur das Gemeindehaus in Sande weiterbetreiben, und zwar in verkleinerter Form.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Gemeindeleitung wird jetzt versuchen, gemäß dem Beschluss des Gemeindekirchenrats das Gemeindehaus in Sande umzubauen, um nicht benötigte Flächen vermieten zu können. Das Obergeschoss an der Hauptstraße kann leicht an andere Nutzer abgegeben werden, weil es einen eigenen Zugang an der Rückseite des Gebäudes hat. Das Kirchenbüro soll in den östlichen Teil der sogenannten Jugendräume umziehen. Das hintere Saaldrittel kann der Kindertagesstätte, die dringenden Raumbedarf hat, zur Verfügung gestellt werden, der Saal entsprechend mit einer Wand abgetrennt werden. Die Räume des jetzigen Kirchenbüros sollen vermietet werden und können dafür als Wohnung hergerichtet werden. Das Kirchenbüro soll als Wohnung hergerichtet und vermietet werden.

Der Standort Cäciliengroden wird, wenn sich bis 2022 auf der Einnahmenseite nichts Gravierendes zum Besseren verändert, spätestens Ende 2027 aufgegeben, denn dann ergibt sich durch Eintritte in den Ruhestand eine Personaleinsparung, außerdem wird das Pfarrhaus frei.

Was passiert mit dem leer stehenden Pfarrhaus in Sande?

Dafür gibt es derzeit noch keine konkrete Lösung. Nachdem Pastorin Sonja Froese-Brockmann, die hier gewohnt hatte, die Stelle gewechselt und Sande verlassen hat, steht es leer. Pastorin Katja Nolting-Möhlenbrock arbeitet nur vertretungsweise in Sande und wohnt in Oldenburg. Die Kirchengemeinde hat angesichts ihrer kleiner gewordenen Mitgliederzahl noch Anspruch auf eine halbe Pastorenstelle. Diese soll ausgeschrieben werden. Inhaber einer halben Stelle werden allerdings nicht mehr verpflichtet, am Ort zu wohnen. Es bleibt abzuwarten, wann die Kirchengemeinde die halbe Pfarrstelle wiederbesetzen kann und ob der Pfarrer/die Pfarrerin dort wohnen möchte. Will er/sie es nicht, könnte das Gebäude befristet vermietet werden.

Warum denkt man nur ans Sparen und nicht daran, die Einnahmeseite zu verbessern?

Die Gemeindeleitung hört den Vorwurf, es würde zu wenig Mission betrieben, das kirchliche Leben sei unattraktiv, erst recht würden junge Menschen nicht angesprochen. Wäre es anders, könnte man mehr Menschen für den Glauben gewinnen, die Zahl der Gemeindemitglieder erhöhen und mehr Einnahmen erzielen. Außerdem sollte man Aktionen zum Erhalt der Gemeindehäuser starten und Sponsoren gewinnen.

Die Einwände dieser Kritiker sind nicht von der Hand zu weisen. Doch sie sind nicht die einzigen, die sich diese Gedanken gemacht haben. Auch im Strukturausschuss hat man diese Optionen erörtert.

Doch zunächst einmal geht es darum, das Problem zu erkennen, das Ausmaß der Problematik zu analysieren, um abzuschätzen, welche realistischen Chancen bestehen, harte Einschnitte abzuwenden. Im Gemeindekirchenrat sind wir ganz überwiegend zu der Auffassung gelangt, dass wir nicht darauf setzen können, dass sich die Kirchengemeinde Sande gravierend vom allgemeinen und nicht nur den kirchlichen Bereich berührenden gesellschaftlichen Trend zur Bindungslosigkeit lösen kann. Die Entsolidarisierung spüren auch Vereine, Gewerkschaften, Parteien und andere, die ebenfalls über teils gravierende Mitgliederverluste klagen.

Auch die Kirche hat es heute im riesigen Informationsangebot des Internetzeitalters schwerer, mit ihrer Botschaft durchzudringen. Wer denkt noch über Gott und die Welt nach? Wer nimmt sich die Muße, Wissen über Religion anzueignen und darüber ernsthaft ins Gespräch zu kommen? Zur Ehrlichkeit gehört bei der Analyse der Schwierigkeiten gehört die Feststellung, dass die moralische Integrität der Kirchen durch skandalöse Missbrauchsfälle und Fehlleistungen erschüttert worden ist.

Vor diesem Hintergrund hält es die Gemeindeleitung für schwierig, das Spendenaufkommen nachhaltig zu steigern und durch Aktionen zu fördern. Strohfeuer nützen nichts. Jährlich müsste ein Betrag von einigen Zehntausend Euro eingeworben werden.

Nichtsdestoweniger gilt es, eventuelle Möglichkeiten in Gesprächen mit allen, die Hilfe anbieten wollen, auszuloten. Spätestens 2022 muss sich für Cäciliengroden eine belastbare Lösung ergeben.

Liebe Leser, wir danken für das Interesse und hoffen, mit diesen Erläuterungen viele Fragen beantwortet zu haben. Haben Sie dennoch Fragen oder das Bedürfnis, über die vorgestellte Problematik zu sprechen, nehmen Sie gern mit Pastor Zimmermann, dem Vorsitzenden des Strukturausschusses Heinz Schollenberger oder der Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates Astrid Kasjens Kontakt auf. Und kommen sie zu unserer Versammlung am 28. Oktober 2019, 19 Uhr, ins Gemeindezentrum „Die Brücke“ nach Cäciliengroden.

 

 

Kontaktdaten:

Pastor Jörg Zimmermann, Tel. 0 44 22 / 1438,

E-Mail: pastor. zimmermann@No Spamkirche-sande.de

Heinz Schollenberger, Vorsitzender des Strukturausschusses,  Tel. 0 44 22 / 4191,

E-Mail: heinzschollenberger@No Spamgmail.com

Astrid Kasjens, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Tel. 0 44 22 / 99 94 04,

E-Mail: a.kasjens@No Spamfreenet.de

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